Categories: Raumplanung
Calle3 – Vom Co-Working zum Offside Space

Was bleibt von einem Raumkonzept, wenn einige Jahre vergangen sind und sich die Nutzung verändert hat?

Vier Jahre nach der Eröffnung bin ich ins Calle3 zurückgekehrt. Ich wollte wissen, wie sich dieser besondere Ort entwickelt hat und was unser damaliges Raumkonzept heute noch leistet.

Denn die Qualität eines Raumes zeigt sich für mich über die Zeit.

Im Alltag. In veränderten Anforderungen. Und in der Frage, ob ein Konzept genügend Stabilität und gleichzeitig genügend Freiheit besitzt, um Entwicklungen zu ermöglichen.

Genau das macht Calle3 heute zu einem spannenden Projektrückblick.

rir_blog_202608
2022: Ein Coworking Space als Antwort auf eine neue Arbeitsrealität

Als 2022 Calle3 eröffnet wurde, war die Arbeitswelt stark von den Erfahrungen der Pandemie geprägt.

Homeoffice war für viele Menschen innerhalb kurzer Zeit zum gelebten Alltag geworden. Gleichzeitig fehlten Orte, an denen professionelles Arbeiten, Begegnung und Austausch außerhalb des eigenen Zuhauses möglich waren.

Die ursprüngliche Idee für Calle3 war ein klassischer Coworking Space mitten im Münsterland der Menschen aus der Region eine professionelle Alternative zum Homeoffice bieten sollte.

Dafür stand ein Ort zur Verfügung, der bereits eine starke eigene Identität mitbrachte: ein historischer Gutshof mit sichtbarem Gebälk, großzügigen Raumhöhen und einer Architektur, die von seiner ursprünglichen Nutzung erzählt.

Unsere Aufgabe bestand darin, diese Geschichte weiterzuführen und gleichzeitig eine zeitgemäße Arbeitsumgebung zu schaffen.

Der Bestand sollte seinen Charakter behalten. Gleichzeitig mussten die Räume professionelles Arbeiten, moderne Technik, konzentrierte Tätigkeiten und Begegnung ermöglichen.

Bereits damals war deshalb eine Frage entscheidend: Wie schaffen wir einen Ort, der eine klare Identität besitzt und gleichzeitig unterschiedliche Formen des Arbeitens zulässt?

Vier Jahre später hat sich die Arbeitswelt weiterentwickelt
Ines Reusch im Gespräch mit Bernhard Holtkamp im Calle3

Seit der Eröffnung von Calle3 hat sich der Blick auf Arbeitsorte verändert. Aufgaben lassen sich heute an vielen Orten erledigen. Umso wichtiger werden Kommunikation, Austausch, Inspiration und gemeinsames Denken.

Calle3 hat darauf reagiert und sich Schritt für Schritt zum Offsite-Space für Unternehmen entwickelt. Heute prägen vor allem Meetings, Workshops, Klausurtagungen und Strategietage die Nutzung.

Für mich liegt genau darin eine zentrale Erkenntnis des Rückblicks:

Die Nutzung hat sich verändert und das Raumkonzept trägt diese Entwicklung bis heute mit.

Ein Raumkonzept braucht Klarheit und Spielraum

Bei der Planung von Calle3 ging es bereits damals um mehr als einzelne Arbeitsplätze.

Begegnung, Inspiration und konzentriertes Arbeiten sollten selbstverständlich nebeneinander möglich sein. Die Räume sollten Menschen zusammenbringen und zugleich genügend Ruhe für produktive Arbeitsphasen bieten.

Heute bilden genau diese Qualitäten die Grundlage für die Nutzung als Offsite-Space.

Die großzügige Raumstruktur ermöglicht unterschiedliche Formate, die flexible Einrichtung unterstützt wechselnde Anforderungen und die historische Architektur verleiht dem Ort eine Atmosphäre, die sich deutlich von klassischen Konferenzräumen unterscheidet.

Für mich zeigt der Wandel von Calle3 deshalb sehr konkret, was strategische Raumplanung leisten kann:

Ein gutes Raumkonzept braucht eine klare Idee und gleichzeitig genügend Spielraum, damit es sich mit neuen Anforderungen weiterentwickeln kann.

Die Identität des Ortes war von Anfang an Teil des Konzeptes

Diese Offenheit für Veränderung bedeutet nicht, dass alles neutral oder beliebig gestaltet werden sollte.

Gerade Calle3 lebt von seiner sehr klaren Identität: Das historische Gebälk, die Raumhöhe, das vorhandene Holz und die ursprünglichen Strukturen sollten sichtbar bleiben. Die neue Einrichtung wurde bewusst moderner, komfortabler und funktionaler gedacht.

So konnten Bestand und neue Nutzung jeweils ihre eigene Rolle übernehmen. Besonders deutlich wurde dieser Ansatz bei der Entscheidung für den Boden. Die ursprüngliche Überlegung war, den landwirtschaftlichen Charakter auch dort sehr deutlich aufzugreifen und alte Klinkersteine einzusetzen.

Wir entschieden uns für eine ruhigere Lösung.

Denn der Raum hatte mit seiner historischen Deckenkonstruktion bereits einen starken visuellen Schwerpunkt. Ein weiterer sehr präsenter Boden hätte zusätzliche Unruhe erzeugt.

Heute beobachtet Bernhard etwas, das diese Entscheidung auf besondere Weise bestätigt: „Wenn Menschen den Raum betreten, geht ihr Blick häufig zuerst nach oben. Sie nehmen die Höhe und das Gebälk wahr und richten ihre Aufmerksamkeit auf die Architektur. Gleichzeitig können sie anschließend konzentriert arbeiten.“

Für mich zeigt sich darin eine wichtige gestalterische Qualität: Ein Raum muss nicht an jeder Stelle Aufmerksamkeit erzeugen. Gute Gestaltung entscheidet bewusst, was führen darf und was sich zurücknimmt.

Warum Unternehmen ihre eigenen Räume bewusst verlassen

Calle3 hat sich zu einem erfolgreichen Offsite-Space entwickeln können, weil Unternehmen einen Mehrwert darin sehen, ihre eigenen Büros für bestimmte Termine zu verlassen.

Bernhard beschreibt diesen Mehrwert mit einem Begriff, der mir aus unserem Gespräch besonders im Gedächtnis geblieben ist: Musterwechsel.

Unternehmen verfügen teilweise selbst über professionelle Besprechungsräume und moderne Konferenztechnik. Trotzdem suchen Teams für Strategietage, Workshops oder wichtige Entscheidungsprozesse bewusst einen anderen Ort auf.

Der räumliche Wechsel schafft Abstand zum gewohnten Arbeitsalltag. Gewohnte Abläufe werden unterbrochen. Gespräche finden in einem anderen Kontext statt. Neue Perspektiven bekommen mehr Raum.

Genau darin liegt ein wichtiger Unterschied zwischen einem Besprechungsraum und einem Ort, der bewusst für Zusammenarbeit und Entwicklung genutzt wird.

Ein Raum löst keine strategische Aufgabe. Er kann jedoch Bedingungen schaffen, die es Menschen leichter machen, anders miteinander zu arbeiten und zu denken.

Kleine Entscheidungen zeigen ihren Wert oft erst später

Bei unserem Rückblick ging es deshalb auch um die Frage, welche konkreten Entscheidungen aus der damaligen Planung heute noch tragen.

Bernhard erinnerte sich unter anderem an die Gestaltung der Teeküche, die Auswahl von Farben und Materialien, die Entscheidung für den ruhigeren Boden und das Zusammenspiel zwischen historischer Architektur und moderner Möblierung.

Gerade am Beispiel der Küche beschreibt er sehr anschaulich den Wert der damaligen Beratung.

Die zusätzliche Planungszeit machte im Verhältnis zur gesamten Investition nur einen kleinen Anteil aus. Für ihn entstand daraus jedoch der entscheidende Unterschied zwischen einer beliebigen und einer wirklich passenden Lösung.

Das entspricht meinem Verständnis nachhaltiger Raumplanung.

Langfristige Qualität entsteht häufig dort, wo Entscheidungen frühzeitig sorgfältig hinterfragt werden.

  • Welche Wirkung soll entstehen?
  • Welche Funktion muss der Raum erfüllen?
  • Was darf im Mittelpunkt stehen?
  • Was sollte sich zurücknehmen?
  • Welche Entscheidungen sind so dauerhaft, dass sie auch in einigen Jahren noch tragen müssen?

Gerade bei Materialien, festen Einbauten oder grundlegenden gestalterischen Entscheidungen lohnt sich dieser genauere Blick.

„Wir sind immer noch froh, dass wir das so gemacht haben.“

Am Ende unseres Gesprächs fasste Bernhard seinen Rückblick auf die damalige Zusammenarbeit in einem Satz zusammen: „Wir sind immer noch froh, dass wir das so gemacht haben.“

Dieses Feedback bedeutet mir viel. Denn nach vier Jahren zählt weniger, ob eine Entscheidung bei der Präsentation gut ausgesehen hat.

Entscheidend ist, ob sie sich im Alltag bewährt hat. Calle3 hat sich verändert. Aus dem ursprünglichen Coworking Space ist Schritt für Schritt ein Offsite-Space für Unternehmen geworden. Die Identität des Ortes ist geblieben. Und das Raumkonzept kann die neue Nutzung aufnehmen.

Gute Raumplanung schafft die Basis für Entwicklung

Arbeitswelten werden sich auch weiter verändern. Unternehmen werden neue Anforderungen entwickeln. Teams werden anders zusammenarbeiten. Flächen werden neue Aufgaben übernehmen.

Deshalb gehört für mich zur strategischen Raumplanung immer auch die Frage, wie viel Entwicklung ein Konzept zulassen kann.

Calle3 zeigt nach vier Jahren sehr deutlich, welchen Wert dieser Gedanke besitzt.

Fazit:

Ein gutes Raumkonzept erfüllt die Anforderungen von heute und lässt gleichzeitig genügend Spielraum für die Entwicklung von morgen.

Genau darin liegt für mich seine langfristige Qualität.

Du möchtest Deine Arbeitsräume so gestalten, dass sie Marke, Mensch und Kultur verbinden?

Dann lass uns gemeinsam herausfinden, welches Potenzial in Deinem Raum steckt – und wie er zum Erfolgsfaktor für Dein Unternehmen werden kann.